Dienstag, 16.10.2007

Handy-TV:: Medienanstalten zeigen der Telekom die kalte Schulter

Die 14 Medienanstalten haben gestern in Berlin Fernsehgeschichte geschrieben und der Deutschen Telekom eine bittere Niederlage beigefügt. Die bisweilen unberechenbaren Medienwächter entschieden sich beim Handy-Fernsehen für die Firma Mobile 3.0. An dem erst vorige Woche gegründeten Konsortium halten der südafrikanische Medienkonzern Naspers sowie die Verlagshäuser Burda („Focus“, „Bunte“) und Holtzbrinck („Handelsblatt“, „Zeit“) die Mehrheit.

Die Deutsche Telekom, Vodafone und 0 2, Tochter des spanischen Telekomriesen Telefonica, hatten sich ebenfalls intensiv um die Lizenz für das Handy-Fernsehen im DVB-H-Standard beworben. Eigentlich waren sie sogar die Favoriten. Doch am Ende hatten Sie nach Nachsehen.Die Diskussion unter den Medienanstalten war nach Angaben von Beteiligten intensiv. „Es gab keine Favoriten“, sagte mir Wolf-Dieter Ring, Präsident der Bayerischen Landesmedienanstalt, heute. Die Entscheidung in Berlinfiel nach stundenlanger Diskussion dann aber klar aus. Offenbar gab es ein Votum 10:4 zu Gunsten von Mobile 3.0. „Am Ende gab es eine einmütige Entscheidung“, sagte Reinhold Albert, Chef der Direktorenkonferenz der Landesmedienanstalten (DLM), diplomatisch. Genaue Zahlen wollte er trotz meiner Nachfragen nicht nennen.

Warum hatte die Medienkonzerne am Ende die Nase vorne?

Die Medienwächter hätten der Lösung mit den Partnern Naspers, Burda und Holtzbrinck vor allem aus Gründen der Medienvielfalt den Zuschlag erteilt, sagte mir Ring zum Beispiel.

Ob die Gewinner des Duells mit ihrer Lizenz glücklich werden?

Fernsehen via Handy ist in Deutschland bisher kaum existent, der Dienst mit Hilfe der technischen Standards UMTS und DMB erwies sich bisher als Flop. In der Branche werden dem DVB-H-Standard derzeit die größten Chancen für den Massenmarkt eingeräumt. In Europa ist das Handy-Fernsehen im Standard DVB-H aber noch in einem Anfangsstadium. Am weitesten ist das Handy-TV in Italien verbreitet. Dort haben bereits über 600000 Nutzer das Fernsehangebot per Handy für knapp 20 Euro monatlich abonniert.

In Deutschland soll der Fußball-Fan dem Handy-TV zum Durchbruch verhelfen. Denn das Pay-TV-Angebot soll pünktlich zur Fußball-Europameisterschaft im nächsten Sommer starten. Wie warten schon ungeduldig auf den Anpfiff. Denn die Partie Handy-TV gegen den Rest der Fernsehbranche wird sicher spannend.

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