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August 8th, 2008 um 11:40

Versuch einer Definition der Liebe

Liebe heißt das Wohlgefallen an einem anderen mit dem Bestreben, es zu besitzen, ihm sich zu widmen, sich mit ihm zu vereinigen und zu identifizieren. Die Liebe hat Wohlgefallen am Wohlsein eines andern. Zuerst entsteht im Menschen die Freude an dem Objekt, an einer Sache oder an einer Person: Er legt dem Objekt einen Wert bei und fühlt sich zu ihm hingezogen, so dass der Besitz desselben ihm als hohes Glück, der Verlust als unerträglich erscheint.


Damit verbindet sich dann bald die Illusion, dass sich im geliebten Gegenstand dasselbe Gefühl rege, selbst wenn er unbeseelt ist. Denn die Liebe beseelt selbst das Tote, wie man an der Naturanschauung der Kinder, der kindlichen Menschen und der Dichter sehen kann. Diese Illusion der Liebe im Verhältnis des Menschen zum Menschen bringt z.B. Johann Wolfgang Goethe zum Ausdruck in dem Gedicht: Warum gabst du uns die tiefen Blicke? mit den Worten: “In dem andern sehen, was er nie war, immer frisch auf Traumglück auszugehen und zu schwanken auch in Traumgefahr.” Da die Liebe ihre Befriedigung in der Gegenwart des Geliebten findet, so spricht sich die Nichtbefriedigung ihres Begehrens als Sehnsucht aus. Wie jede Neigung, so erwächst auch die Liebe zunächst aus der Gewohnheit, dem Verkehr, dem Umgang, wie man aus der Liebe zu Eltern, Geschwistern, Spielkameraden und zur Heimat erkennt. Anderen, gleichartigen Personen gegenüber wird sie zum Streben nach dauernder Vereinigung. Liebe will im andern leben; sie hat ihr reinstes Selbstgefühl im Mitgefühl mit dem anderen und hebt am höchsten über den Egoismus empor. In diesem Streben nach völliger Erhebung über den Eigennutz und tiefer Durchdringung mit dem Anderen liegt freilich auch der Anspruch auf Alleinbesitz. Hierin unterscheidet sie sich von der Freundschaft, die selten einseitig, aber oft nicht ohne egoistische Beimischung ist.

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