Die Digitalknipse speichert Fotos im bestmöglichen, aber platzfressenden Format. Wer beim Kleinrechnen für Web-Galerien, E-Mails oder Ebay nicht aufpasst, verhunzt die Motive schnell. Bildbearbeitungsprofi Christoph Künne erklärt, wie Fotografen Qualität und Dateigröße optimal abstimmen.
Wer mit den Programmen Photoshop und ImageReady Digitalfotos professionell für die Web-Nutzung kleinrechnet, muss erst mal sicherstellen, dass er wirklich sieht, wie sich die bearbeiteten Bilder verändern.
Pixelärger: Wer Fotos fürs Web achtlos kleinrechnet, riskiert Artefakte, miese Farben und unnötig schäbige Bilder
Sie sollten unbedingt in der 100-Prozent-Ansicht arbeiten, die Sie bei beiden Programmen im Dialogfeld ganz unten links per Auswahlmenü oder über die Tastaturkombination Strg (Mac: Befehl)+Alt+0 (Null) vorgeben.
Wenn Sie dagegen einen auflösungstechnisch üppig dimensionierten Monitor haben oder mit relativ kleinformatigen Bildern arbeiten, empfiehlt es sich, auf die Doppel- oder die Viereransicht zu wechseln.
Ansicht, Komprimierung, Farbprofile - SPIEGEL ONLINE zeigt, wie Megapixel-Monster fürs Web klein werden und schön bleiben.
Besser Vergleichen mit der Doppel- oder Viereransicht
Hier sehen Sie zwei oder vier Fassungen Ihres Ausgangsbildes, die Sie verschieden stark komprimieren und/oder in unterschiedlichen Dateiformaten "gegeneinanderhalten" können. In der Praxis kommt man - ein wenig Arbeitserfahrung vorausgesetzt - am besten mit der Zweifachdarstellung aus, in der man das Ausgangsbild auf der einen und seine komprimierte Fassung auf der anderen Seite vergleicht.
Die magische Hand für kleine Monitore
Wer nur einen kleinen Monitor besitzt, der nicht beide Bildfassungen parallel darstellen kann, aber trotzdem nicht auf den Komfort der Zweifachansicht verzichten möchte, kommt mit dem Hand-Werkzeug in Kontakt.
Dieses Hilfsmittel erlaubt es, die Bildfassungen simultan in den Fensterausschnitten zu verschieben, um alle Teile des Bildes beurteilen zu können. Die sonst in solchen Fällen üblichen Scrollbars gibt es hier nicht.
Neben der 100-Prozent-Darstellung, in der man sich normalerweise zur Bildbeurteilung bewegt, lassen sich mit der im Fachjargon "Zoom-Werkzeug" genannten Lupenfunktion die Bildpixel größer und kleiner darstellen. Im Normalzustand ist die Lupe auf Vergrößern eingestellt.
Klicken Sie an eine Stelle des Bildes, wird diese in der nächsten Zoom-Stufe angezeigt. Der Punkt, auf den Sie geklickt haben, wird zudem in die Mitte des Ausschnitts gerückt. Um die Darstellung zu verkleinern, halten Sie beim Einsatz der Lupe die "Alt"-Taste gedrückt.
Das optimale Farbprofil finden
Immer wieder fragen uns Anwender, warum die Farben ihrer Bilder sich im "Für Web speichern"-Dialog plötzlich verändern. Was in Photoshop leuchtend dargestellt wird, erscheint bei der JPEG-Web-Abstimmung plötzlich ausgewaschen.
Das Problem liegt in den Farbprofilen. Wer den Schalter "ICC-Profil" aktiviert, sieht seine ursprünglichen Farben. Allerdings hat diese Checkbox zur Folge, dass an die Datei ein oft mehrere Kilobyte großes Farbprofil angehängt wird, das jedoch keine Garantie dafür ist, dass nun jeder Browser die Farben in der gewünschten Weise darstellt.
Sicherer ist es, sich auch bei den Farbprofilen auf die Standards zu verlassen und vor Aufruf des "Für Web speichern"-Dialogs über den Befehl "Profil zuweisen" das Bild im "sRGB"-Farbraum darstellen zu lassen, da dieser den Web-Standard repräsentiert. Natürlich bleichen bei dafür anfälligen Bildern auch hierbei die Farben aus, nur kann man es so im Vorfeld sehen und die Defizite mit Photoshops Werkzeugen vor der Web-Optimierung ausgleichen.
Hinweis: Den Befehl "Profil zuweisen" finden Sie ab Photoshop CS2 im Menü "Bearbeiten". In älteren Versionen befindet er sich im Menü "Bild" unter "Modus".
Fotos mit allen Browsern auf Darstellungsfehler testen
Um bei der Farbdarstellung auf Nummer Sicher zu gehen, sollte man (zumindest in kritischen Fällen) das Bild in den verschiedenen Browsern wie dem Microsoft Internet-Explorer, Firefox oder Apples Safari anschauen. Dazu nutzt man in der Fußleiste des Dialogs das entsprechende Auswahlmenü.
Allerdings will dies zunächst konfiguriert werden. Sie fügen dafür einmalig mit der Taste "Alle suchen" die auf Ihrem System installierten Browser-Programme zu der Liste hinzu und können danach sehr schnell testen, ob es Darstellungsprobleme gibt, ohne den Abstimmungsdialog verlassen zu müssen.
In dem Feld unter der Bildansicht sehen Sie nicht nur die Bildgröße nach Anwendung der vorgegebenen Kompressionsparameter, sondern auch die Ladezeit der Datei. In der Standardeinstellung wird Ihnen angezeigt, wie schnell das Bild über eine 28,8 Kbit/s-Leitung aus dem Netz geladen wird.
Solche Verbindungen sind heute nicht mehr aktuell, die langsamsten Netzbesucher surfen derweil mit Analog- oder ISDN-Modems, die mindestens 56 Kbit/s laden. Um diesen Wert als Grundlage zu verwenden, klicken Sie mit gehaltener rechter Maustaste auf das Vorschaubild und wählen aus der Liste des Kontextmenüs eine realistische Leitungsgeschwindigkeit aus.
Die Risiken des JPEG-Formats
Das JPEG-Format wurde speziell zur Verkleinerung von Fotodateien entwickelt. Die Abkürzung steht für "Joint Photographers Expert Group". Diese Expertenrunde entwickelte Ende der achtziger Jahre ein Format mit der Zielsetzung, digitale Standbilder in Echtfarben auf etwa sieben Prozent ihrer Ausgangsgröße ohne sichtbaren Qualitätsverlust zu komprimieren.
Das war eine Zeit, in der 20-Megabyte-Festplatten fast noch Kühlschrankgröße hatten. Die mit dem Format verbundene Radikaldiät war damals der einzige Weg, farbige Bilder für einen längeren Zeitraum digital zu speichern. Im Normalfall wurden Fotos nur zur Bearbeitung gescannt und in den Rechner geladen.
Nach der Ausgabe löschte man sie sofort wieder oder lagerte sie bestenfalls auf Bandspeichermedien aus. Selbst 1991, als das Format offiziell eingeführt wurde, kamen die handlichen Ergebnisse für Multimediaproduzenten immer noch einer Revolution gleich.
Doch wo gehobelt wird, da fallen Späne. Die Verluste sind das Problem der von JPEG am Bild vorgenommenen Einsparungen. Das Format kann seinem hohen Kompressionsanspruch nur gerecht werden, wenn es auf ursprünglich vorhandene Informationen verzichtet.
Man spricht bei diesem Ansatz von verlustbehafteter Kompression. Sie steht im Gegensatz zu verlustfreien Verfahren, wie etwa der LZW- oder der ZIP-Kompression. Diese beiden Verfahren organisieren die Daten nur anders, ohne Details zu löschen. Bei Bildern, die für die Algorithmen gut handhabbare Form- und Farbstrukturen aufweisen, sind auch mit diesen Kompressionstypen Raten von 80 bis 90 Prozent Einsparung erzielbar.
Das trifft zum Beispiel auf Screenshots von Programmoberflächen, einfache Grafiken oder sehr grafische Fotos zu. Im Alltag des Fotografen sparen sie im Schnitt aber nur knapp 30 Prozent ein. Die im JPEG-Verfahren aus der Datei entfernten Informationen betreffen in der Regel Feinheiten, welche das menschliche Auge nicht wahrnimmt. Prinzipiell zerlegt die Kompression ein Bild in 2x2, 4x4 oder 8x8 Pixel große Blöcke und komprimiert jeden Block unabhängig.
Je nach eingestelltem Qualitätsgrad bleiben mehr oder weniger Details erhalten. Bei einer hohen Kompressionsqualität, die dennoch etwa 75 Prozent Platzersparnis bringt, zeigen sich die Unterschiede zu einer unkomprimierten Datei nur bei genauer Untersuchung. Die gefürchteten Artefakte entstehen durch die Blockbildung in Kombination mit der kontextunabhängigen Farbreduktion.
Allerdings sieht man sie, je nach Motiv, erst bei mittlerer bis starker Kompression. Das Bild verliert dann Details und braucht dafür auf der Festplatte nicht mehr so viel Speicher. Öffnet man es in Photoshop, entpackt es sich auf die volle Ursprungsgröße. Hergestellt wird jedoch nur die Größe. Die zuvor eingeebneten Bilddetails sind dagegen unwiederbringlich verloren.
Die fünf Qualitätsstufen beim Photoshop Web-Werkzeug
Der Hauptparameter für die Darstellung eines JPEG-Bildes bildet die Einstellung der Qualität. Photoshop verfügt im "Datei"-Menü über den Befehl "Für Web speichern", wo es eine Vielzahl von Parametern gibt, die Ihnen helfen, das Beste aus dem Bild herauszuholen.
Bei der Bildabstimmung wägen Sie jedes Mal zwei sich widersprechende Parameter gegeneinander ab: Einerseits sollen alle Bilddetails erhalten bleiben, andererseits darf die Datei kaum Speicher belegen, damit sie schnell über die relativ schmalen Datenleitungen des Internets übertragen werden kann.
Die Abstimmung des Bildes nehmen Sie in zwei Schritten vor. Zunächst wählen Sie eine der fünf Qualitätsstufen "Niedrig", "Mittel", "Hoch", "Sehr hoch" oder "Maximum" aus und kontrollieren die Bildgröße. Im zweiten Schritt optimieren Sie das Bild manuell. Wählen Sie eine Vorgabe, die eine Stufe unter dem Optimum liegt, in der also schon deutlich Artefakte zu sehen sind. Abschließend klicken Sie in das "Qualität"-Feld und verändern die Kompression mit Hilfe der Pfeiltasten auf Ihrer Tastatur, bis Sie ein optimales Ergebnis erhalten.
Durchgänge, ICC-Profil - wichtige Tuning-Details
Die Option "Mehrere Durchgänge" lädt die Datei später im Webbrowser zunächst in niedriger Auflösung und erst nach und nach alle vorhandenen Details. Das ist sinnvoll, wenn Sie auf einer Website mehrere große Bilder unterbringen möchten, Ihre Besucher aber nicht mit unnötig langen Wartezeiten quälen wollen. Sie sollten diese Checkbox grundsätzlich bei Bildern über 20 Kilobyte einschalten.
Alternativ können Sie auch die Checkbox "Optimiert" anklicken. Ebenso wie bei "Mehrere Durchgänge" wird das Bild verkleinert, nur ist ein JPEG mit dieser Bearbeitung nicht mit allen - besonders älteren - Browsern kompatibel. Von der Einbindung des ICC-Profils der Datei ist abzuraten, wenn Sie es nicht mit sehr farbkritischen Aufnahmen zu tun haben, da diese Profile zum einen zusätzlichen Speicherplatz belegen, zum anderen nicht von jedem Browser und Betriebssystem bei der Darstellung berücksichtigt werden.
Sie nutzen sowieso nur dem Betrachter, der mit einem kalibrierten Monitor arbeitet. Die Funktion "Basis" hinterlegt Ihr Bild mit einer Farbe. Diesen Farbhintergrund sehen Sie jedoch nur, wenn Sie sich das Bild in der Browservorschau anzeigen lassen.
Bei der JPEG-Kompression werden Helligkeits- und Farbinformationen getrennt. Dann wird die Farbinformation reduziert. Durch eine Weichzeichnung verringern Sie die Qualität, da durch die Veränderung Details verloren gehen. Sie werden feststellen, dass Sie nicht viel weichzeichnen müssen, um einen bedeutenden Unterschied im Bild sehen zu können.
Mit dem "Weichzeichnen"-Regler können Sie das Bild in einem Radius bis zu zwei Pixeln einweichen. Wenn die Bildschärfe nicht unbedingt hundertprozentig erhalten werden muss, nehmen Sie mit dem Weichzeichnungsregler leichte Korrekturen vor und sparen so ein paar weitere Kilobyte an Speicherplatz.
Nachbearbeitung nur am hochauflösenden TIFF-Original
Damit das JPEG am Ende brillant wirkt, digitalisieren Sie das Ausgangsbild mit Scanner oder Kamera möglichst hochauflösend wie für den Druck und sichern Sie es zunächst in einem verlustfreien Dateiformat wie TIFF. Nehmen Sie alle Nachbearbeitungen an der hochauflösenden Ausgangsdatei vor.
Innerhalb des "Für Web speichern"-Dialogs haben Sie die Option, das Bild zu verkleinern. Geben Sie hier unter dem Reiter "Bildgröße" die passenden Pixelmaße ein und klicken Sie anschließend unbedingt auf die Schaltfläche "Anwenden". Verzichten Sie darauf, das Bild hier zu vergrößern. Bereits verkleinerte Web-Bilder sind für Vergrößerungen ungeeignet.
Wer sich in die Welt der Internet-tauglichen Fotos und Grafiken einarbeitet, sollte bei seinen Anfangsexperimenten die von Photoshop mitgebrachten Voreinstellungen ausprobieren, um einen Eindruck von den verschiedenen Formaten und Kompressionsstärken zu bekommen. Hat man etwas Erfahrungen gesammelt, kann man die Funktion auch nutzen, um hier eigene Voreinstellungen abzulegen und die anderen, selten genutzten zu löschen. Die dafür nötigen Befehle finden Sie im Kontextmenü des Voreinstellungsbereichs.
In den meisten Fällen wird man sich bei der Abstimmung eines Fotos an der Bildqualität orientieren und versuchen, diese bei möglichst geringer Speichergröße weitestgehend zu erhalten. Es gibt aber auch (relativ selten) Aufgabenstellungen, die eine exakte Bildgröße voraussetzen und die optimale Qualität hinten anstellen. Für diese Fälle finden Sie im Kontextmenü des Voreinstellungsbereichs den Befehl "Auf Dateigröße optimieren".
Tipp: Die Reduktion funktioniert nur, soweit Kompressionseinstellungen die Größe ermöglichen. Sind die Pixelmaße zu hoch gesetzt, wird automatisch die maximale Kompression ausgewählt, ohne dass eine Warnung erfolgt.
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