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FAHRBERICHTE

Aston Martin Vantage RS: Add Vantage

Mit zwölf anstatt wie bisher acht Zylindern zieht es den "kleinen" Aston Martin Vantage in die Supersport-Liga - als rasante RS-Version mit rund 600 PS.




Die Verzahnung zweier unterschiedlicher Ansätze, nämlich die Herstellung und Verbreitung von Straßensportwagen auf der einen und ein unter gleichem Label laufendes Motorsport-Engagement auf der anderen Seite, wird nicht selten mit Hilfe marketingtechnisch kunstvoll verbrämter und damit fadenscheiniger Ideologien bewerkstelligt. Am Ende kommen dabei oft ganz eigenständige - und eigentümliche - Parallelwelten zustande, zwischen denen sich die notwendigen Beziehungsgeflechte nur unvollkommen entwickeln können.

Dabei ist die Entscheidung pro oder kontra Rennsport im Grunde genommenganz simpel - allerdings auch nur dann, wenn ihre Herleitung von großerLeidenschaft, hohem Sachverstand und intimer Realitätsnähe geprägt ist.Dies ist, wie die jüngste Vergangenheit gezeigt hat, bei Aston Martinanerkanntermaßen der Fall. Das an anderer Stelle bis zum Erbrechenüberstrapazierte Sportwagen-Ideal unter dem geflügelten Slogan "Von derRennstrecke auf die Straße" erlebt bei Aston Martin eine Renaissance.Sie ist von erheblich höherer Glaubwürdigkeit geprägt als gemeinhinüblich. Das Image der Marke hat deshalb in kürzester Zeit in einem Maßezugelegt, wie es sich kein Marketingstratege hätte ausmalen können -auch weil die Briten das sich gegenseitig befruchtende Wechselspielzwischen Straßen- und Rennversionen in einer Art und Weise kultivieren,die an die ruhmreichen und Image prägenden Anfänge der nahmhaftenitalienischen Konkurrenz erinnert.

Der Image- und Technologietransfer gelingt wechselseitig


Mitden breit gestreuten Aktivitäten in den weltweiten GT-Rennserien wiebei den 24 Stunden von Le Mans, in der FIA-GT oder auch beim nationalenHighlight, dem 24h-Rennen auf dem Nürburgring, vermittelt Aston Martinklassenübergreifend vom GT4 bis zum GT1 eine Kompetenz, die mitWerbebotschaften allein sicher nur unvollkommen vermittelt werdenkönnte. Der Image- und Technologietransfer gelingt dabei nicht nur ineiner Richtung, sondern durchaus wechselseitig - von der Straße auf dieRennstrecke und wieder zurück.

Der jüngste, in diesen Kontextgestellte Coup trägt die Bezeichnung Aston Martin Vantage RS. Der inchangierendem Hellblau lackierte Zweisitzer auf Basis des erfolgreichenAston-Einstiegsmodells Vantage V8 (beziehungsweise dessen SportvarianteN24) wurde auf dem Genfer Autosalon während des ersten Fachpresse-Tageskurz präsentiert, um danach im Beisein vom Aston Martin-Chef Dr. UlrichBez sein erstes Fahr-Debüt auf der südfranzösischenHigh-Tech-Rennstrecke Paul Ricard zu geben.

Verkaufsstart Frühjahr 2009

DemStatus als Showcar oder Studie war der Vantage RS zu diesem Zeitpunktlängst entwachsen: Der Verkaufsstart ist bereits fürs Frühjahr 2009terminiert. Vergleichbar mit einer exklusiven kulinarischen Raffinessehandelt es sich bei der Zubereitung dieses reizenden RS-Menüskeineswegs um eine aus unbekannten Zutaten bestehende Komposition,sondern um die Zusammenstellung bekannter und bewährter Komponenten.


So zum Beispiel des kompakten Aluminiumchassis des Vantage oder der Keramik-Bremsanlage des DBS. Und als Krönung der betörende Sechsliter-Zwölfzylindermotor, der in den großen Baureihen DB9, DBS und diversen Rennversionen, so zum Beispiel im DBRS, seinen Dienst verrichtet. Bei dem im unschuldig-blauen Erstlingswerk montierten Zwölfender handelt es sich bezeichnenderweise um exakt jenen Treibsatz, den Klaus Ludwig beim letztjährigen 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring unterm Gasfuß hatte. Und der es ihm aufgrund des souveränen Leistungsangebots generös gestattete, mit einigen stark beachteten Führungskilometern in dem vom Phoenix-Team eingesetzten Aston Martin DBRS vorstellig zu werden.

600 PS unter der Motorhaube

Die Vielzahl der Leichtbaumaßnahmen an der Karosserie und das clubsportmäßig, mit grau-blauen Alcantara-Bezügen und hübschen Karbonteilen eingerichtete, aufs Wesentliche reduzierte Cockpit drückt das Gesamtgewicht der RS-Variante angeblich auf unter 1400 Kilogramm. Die Kraftausbeute des Motors - wir reden hier von gut und gern 600 PS - ist vor diesem Hintergrund selbstredend dazu angetan, auch völlig abgebrühten Zeitgenossen höchsten Respekt abzuringen. Das bekannt sensible Ansprechverhalten des Aston-Zwölfzylinders schon bei niedrigen Drehzahlen hat bei kleinsten Zuckungen des Gasfußes Respekt einflößende Reaktionen zufolge, wie sie andernorts erst in der Nähe des roten Drehzahlbereichs wirksam werden. Oder anders ausgedrückt: Der in den Ausmaßen liebenswürdig- kompakte und in der Außenwirkung so symphatische Zweisitzer geht wie die Hölle - und singt dabei ein so warmes, herzergreifend schönes Lied, das man sich zugleich doch zur Gänze im Autohimmel wähnt.

Bei deaktivierter Traktionskontrolle sollte der Mann am Steuer die konsequente Erforschung des Leistungsspektrums dennoch tunlichst gewissenhaft angehen, um ob der Begeisterung über so viel Sound und PS-Potenzial nicht flugs die eine oder andere Pirouette zu riskieren. Doch wer es sich leisten kann, sich ein solches Projektil unter den Hintern zu schnallen, wird es durch eigene Fahrkünste hoffentlich auch verdient haben, sich mit dieser atemberaubenden Erscheinung der Öffentlichkeit preiszugeben.




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15.05.08 10.00 | Autor: Horst von Saurma | Fotos: Hersteller
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