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Eine Zwischendurchbilanz: 2,5 Jahre später

Matthias Rückel | 16 Oktober, 2007 10:16

Dieser Kommentar ist im Orginal im Online Tutoring Journal erschienen.

Im April 2005 veröffentlichte ich im CHECKpoint-eLearning eine Aufstellung über die entstehenden Kosten für einen Trainer der seinen Tätigkeitsbereich auf E-Learning erweitern möchte. Die damalige Beispielrechnung ergab eine Investition von ca. 2.800 EUR für Ausbildung, EDV, Software, DSL und mehr.

Führt man die Rechnung heute durch ist überraschend festzustelllen, daß sich die damals kalkulierten Kosten nicht so gravierend verändert haben.

Sicher, ein DSL-Anschluß ist preiswerter geworden. Auch sind die heute üblichen PCs und Notebooks in der Lage den Anforderungen eines E-Trainers und E-Moderators gerecht zu werden und müssen nicht mehr nachgerüstet werden. An diesen Stellen ist die Kostenkalkulation etwas preiswerter geworden. Aber sonst hat sich in diesem Bereich nicht viel getan.

Damals versuchten einige Anbieter mit „Fortbildungen zum E-Trainer“ zum Schnäppchenpreis für 99 EUR Trainern das Thema E-Learning näher zu bringen. Der Markt hat die Spreu vom Weizen getrennt, die 99 EUR Angebote existieren nicht mehr. Alles in allen liegt die notwendige Investitionssumme für den Einstieg irgendwo zwischen 0 EUR für Autodidakten und 2.500 EUR Investition.

Ist auf dem Markt für E-Trainer nichts Relevantes geschehen?

Doch! Eine ganze Menge, aber blühende Landschaften sehen anders aus. Die „Billiganbieter“ und einige Pioniere in der Trainerausbildung der ersten Stunde, sind vom Markt verschwunden. Der Preis ist es offensichtlich nicht, der Trainer gestern wie heute vom E-Learning abhält. Etwas teurere Angebote - wahrscheinlich auch von besserer Qualität - konnten sich am Markt behaupten und weiter entwickeln.

Da gibt es zum Beispiel die Qualitätsinitiative des D-ELAN, sie erlaubt es immerhin, Prozesse und Konzepte von E-Learning-Angeboten qualitativ zu prüfen und mit einem der beliebten „Zertifikate“ zu versehen. Oder das erfolgreich beendete europäische Projekt LANCELOT: Es entwickelte Standards für Sprachtrainer und bietet zukünftig Ausbildungen für Sprachlehrer im virtuellen Sprachunterricht aus; natürlich auch mit Zertifikat.

In Unternehmen wird E-Learning alltäglicher, und damit der Bedarf an kompetenten E-Trainern allmählich größer. Die Existenz des Teletutoren-Netzwerkes selbst ist ein Indiz dafür, und hilft Unternehmen die teletutorielle Kompetenznadel im Heuhaufen zu finden.

Interne Weiterbildungsangebote von Firmen werden hingegen von festangestellten E-Trainern abgedeckt, die sich mit Firmeninterna und Produkten des Unternehmens besser auskennen. Auf dem offenen Seminarmarkt tun sich E-Learning, E-Tutoren und E-Trainer scheinbar nach wie vor schwer.

Immerhin hat sich im Sommer 2007 der Anbieter „netviewer“ mit seiner offenen netviewer-academy im Internet aus der Deckung gewagt und bietet E-Trainern eine Plattform und Dienstleistungen für Live-Online-Trainings an. So löblich dieses Angebot ist, die Trainer tun sich offenbar noch schwer damit, wirklich lebhaft geht es im offenen Bereich der netviewer-academy nicht zu.


Gleichzeitig werden die Ansprüche an E-Trainer höher. Wie immer ist die E-Learning Branche mit fliehenden Fahnen der allgemeinen Entwicklung voraus. Das klassische E-Learning reicht nicht mehr, nein das Web 2.0 und damit E-Learning 2.0 wurde erfunden. Die Palette der Tools erweiterte sich um Blogs, Wikis und andere Social Software. Also müssen neue Konzepte und Ideen her, obwohl die alten „1.0 Konzepte“ noch nicht zur Selbstverständlichkeit geworden sind. Diese Entwicklung hat aber auch einen Vorteil. Im Internet schwimmen so viele kostenfreie Softwareapplikationen herum, daß jeder E-Trainer etwas für sich herausfischen kann.

Und dann gibt es noch neuere Phänomene, noch seltsamer als Blogs und Wikis, als wenn das erste Trainerleben nicht kompliziert genug wäre: Die virtuelle Welt Second Life! Begleitet von einem Medienecho von dem andere träumen, oder je nach aktueller Stimmungslage der Presse, auch Alpträumen. Die Faszination einer virtuellen 3D-Welt schafft in wenigen Wochen, allen technischen Hürden zum Trotz, was in den letzten Jahren im Internet in Deutschland bisher nicht gelungen ist: Eine Volkshochschule aus der Provinz eröffnet in Second Life eine virtuelle Außenstelle und bietet mehrmals wöchentlich virtuelle Kurse an, mit stark wachsender Nachfrage. Überraschenderweise haben die wenigsten Trainer der vhs vorher etwas mit dem klassischen E-Learning zu tun gehabt. Oder ist vielleicht gerade, daß das Geheimnis des Erfolges?

Fassen wir 2,5 Jahre zusammen:

Der Trend geht eindeutig in Richtung überprüfbare Qualität, die Technik für das E-Trainer-Dasein ist preiswerter geworden, die Vielfalt der technischen Möglichkeiten entwickelt sich schneller als die didaktischen Konzepte hinterher kommen können. Als E-Trainer ist es zwischen 2005 und 2007 spannender und vielseitiger geworden. Nur 99 EUR Schnäppchen gibt es keine mehr.

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