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Chepedaja's Archive on May 15, 2008
Description
Seitdem geistert die Oblomowerei durch die jüngere Geistesgeschichte, wobei allerdings klar ist, daß sich die Oblomowerei nicht auf simples Phlegma verkürzen läßt. Dabei ist die Oblomowerei spätestens mit dem Aufkommen und der Popularität des Existentialismus zu einem als idealtypisch empfundenen Lebensentwurf von Teilen des intellektuelle Teils der akademischen Jugend geworden, gibt es doch in vielen Unistädten Kneipen mit dem programmatischen Namen Oblomow. Leider hat sich noch niemand die Mühe gemacht, die Ästhetik der Oblomowerei, ihre indirekte und gewissermaßen passive Popularität sowie ihre kulturphänomenologischen Implikationen ins Visier zu nehmen. Eins ist aber sicher: Jeder muß sich früher oder später mit der Oblomowerei herumschlagen, will man nicht zu einem jener seelenlosen menschlichen Monster degenerieren, wie sie der Franzose Michel Houellebeq in seinen nur verdeckt autobiographischen „Büchern“ beschreibt. Denn setzt sich der Siegeszug dieses homo houellebeq unter den Geistesmenschen fort, dann ist bald jenes Stadium der Entwicklung erreicht, welches die „Aliens“ oder „grauen Herren“ oder wer auch immer mit ihren Phrasen vom angeblich autonomen Prozeß der Globalisierung permanent und ganz öffentlich herbeitotalisieren wollen: Das „Ende der Geschichte“, den Endsieg des Geldes und damit das Stadium des ewigen und absoluten Kapitalismus. Dann doch lieber Oblomowerei, oder etwa nicht? Oder was?